Wo sind nur die guten Schurken hin?

      Wo sind nur die guten Schurken hin?

      Moin :)

      Folgenden Artikel habe ich heute durch meinen FB-Feed entdeckt und finde ihn sehr interessant:
      literaturcafe.de/gute-schurken…boese-der-populaerkultur/

      Im Wesentlichen geht es um eine Analyse: Welche Art an bekannten Schurken in Büchern oder der gegenwärtigen Popkultur gibt es, was macht sie aus und auf welchen Mythen / Überlieferungen fußen sie grundlegend?
      Für einen ersten Einblick in das Thema und Anregungen dazu, wie man sich einen unverwechselbaren Schurken zusammen baut, finde ich den Artikel sehr gelungen und musste beim Lesen selbst überlegen, wieviele wirklich gute, bekannte Schurken mir noch einfallen, die im Artikel nicht genannt wurden. Eigentlich nicht so sehr viele ... vielleicht ist es wirklich eine aussterbende Kunst.

      Was meint ihr?
      Der Artikel ist erstmal ellenlang, und dann tut er auch noch so allgemeingültig, spätestens ab Teil 3... Das ist alles gar nicht so allgemeingültig, und wo der/die Autor/Autorin (hab nicht nachgeguckt, wer das geschrieben hat) die Schurkentypen hernimmt und wie er/sie auf die kommt, hätte mich auch mal interessiert. Das ist doch Quatsch. Hannibal Lecter geht bestimmt nicht auf Vampire zurück, sondern auf Kannibalen X/ Der Mythos von den Kannibalen selber (wenn man es darauf zurückführen will, und nicht auf Serienmörder, die nunmal oft eine seltsame Angewohnheit haben) geht auch nicht auf Vampire zurück, sondern auf die Kolonialzeit. Den Harris könnte man sogar noch fragen, wie er da drauf kommt (hat bestimmt auch schonmal jemand, ich bin nur zu faul zum Googlen). Wetten, der sagt dann alles, nur nicht Vampire? :D

      Und alle Schurken, die nicht Vampiren und Werwölfen oder noridischen oder antiken Mythologien nachempfunden sind, sind entweder Naturgewalten, administrative Schurken oder Doppelgänger, die auf Poe respektive Jekyll/Hyde zurückgehen, was selbst wieder auf Poe zurückgeht. Klar. Ganz sicher.

      Sorry, aber da greif ich mir ans Hirn. Man kann für alles auf dieser Welt Unterteilungen schaffen, die so allgemein und nichtssagend sind, dass man im Nachhinein so gut wie alles schön hineininterpretieren kann. Es stört mich auch gar nicht, dass wer auch immer den Artikel geschrieben hat der Meinung ist, dass es so ist, wies im Artikel beschrieben wird. Mich stört der Ton, der Allgemeingültigkeit und Endgültigkeit ausdrückt. Es ist nicht der Weisheit letzter Schluss, sondern nur eine eine Meinung. Das ist ja legitim, aber eine Meinung ist eine Meinung und keine Tatsache.

      Genug aufgeregt :D Ich finde sterotype Schurken sowieso doof. Ich finds besser, wenn jeder seine nachvollziehbare Motivation hat und niemand gut oder böse ist, und Konflikte auf persönlichen Beziehungen bzw. persönlichen Erlebnissen beruhen. Im Leben ist doch auch keiner böse, sondern die Leute sehen sich im Recht obwohl es nicht stimmt oder jemand ist verletzt und gekränkt und reagiert deswegen über bzw. greift zu drastischen Mitteln, um sich zu rächen, gerne auch indirekt, oder jemand projiziert etwas auf jemand anderen - zB wenn jemand als Kind immer gehänselt wurde, und der sieht dann ein Kind und denkt sich "Das ist so ein Kind wie die, die mich immer gehänselt haben" und rächt sich dann stellvertretend an dem usw.

      Diese schlecht gemachten sterotypen Bösewichte von früher sind eh gut weg, die braucht niemand.
      Jeder Artikel besteht immer aus persönlicher Meinung - in einem mehr oder minder großen Anteil. ;) Sind ja schließlich keine wissenschaftlichen Abhandlungen mit Tiefenrecherche und Quellenangaben.

      Ich les mir's die Woche auch mal durch.
      Vielleicht sollte man es einfach mal als Diskussionsanregung nehmen.

      Was mir generell auffällt ist dass zumindest bei Bösewichten aus der Monster-Kategorie, die (entschuldigt mein Klatschianisch) Vögelbarkeit mittlerweile auf Teufel-komm-raus hergestellt wird. :evil:
      Vampire, Werwölfe, sogar Zombies. Meh. Irgendwie vermisst man doch die Zeiten, wo das noch die Gruseltypen waren. ;)

      Gibt - hab ich die Woche gesehen - auch eine Neuauflage von 'Beauty and the Beast' (ja, die 80er Serie mit Ron Perlman im Ganzkörper-Löwenkuschelkostüm und der Prä-Terminator Linda Hamilton.) Das mocht ich mir gar nicht angucken. Erstens kann ich beim besten Willen der Kleinen aus 'Smallville' den toughen Cop nicht abkaufen und zweitens: Wo ist der Teenie-Schwarm-Typi bitte ein 'Beast'? *seufz*

      Naja, ist aber ne andere Baustelle.
      Gute Nacht ;)


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      Sabine Osman schrieb:

      Sind ja schließlich keine wissenschaftlichen Abhandlungen mit Tiefenrecherche und Quellenangaben.


      Stellenweise tut der Artikel aber so. Nimm dir 3 Stunden Zeit und lies ihn, dann weißt du, was ich meine *gg*

      Was mir generell auffällt ist dass zumindest bei Bösewichten aus der Monster-Kategorie, die (entschuldigt mein Klatschianisch) Vögelbarkeit mittlerweile auf Teufel-komm-raus hergestellt wird. :evil:
      Vampire, Werwölfe, sogar Zombies. Meh. Irgendwie vermisst man doch die Zeiten, wo das noch die Gruseltypen waren. ;)


      Warm Bodies fand ich aber geil. Mir gehen diese typischen Zombie-Streifen schon auf den Geist. Außer Resident Evil 1 und 2 hab ich alle von denen im Kino gesehen (bei 1 und 2 war ich noch ein Kind, die hatte ich damals auf Videokassette!!! Video! So lange ist das her). 3 war nach cool, aber anschließend fand ich auch das schon abgedroschen, und RE seh ich persönlich als das Original, auch wenns schon schlechte schwarz-weiß Zombiefilme gab. Die ganzen Abklatsche... Boaaaaaaahhhhhh... Ne, wirklich nicht. Als Zombies noch cool waren, mochte ich die gerne. Jetzt sind die nur mehr schlecht. Ein Zombiefilm wie der andere, nicht mehr zu unterscheiden, absolut beliebig und austauschbar. Das Genre war mal, Warm Bodies usw. ist da das letzte Aufbegehren, bis es in 50 Jahren komplett neu wiederkommt :)

      Was die Vervögelung angeht: Kann ich verstehen. Als nächstes ist der Predator dran, der kann ganz bestimmt tolle Sachen machen mit seinen Gesichtstentakeln... Dann werden 12-Jährige Mädchen Schilder hochhalten auf denen steht "ALIEN ICH WILL EINEN OKTOPUS VON DIR!" Team Alien oder Team Predator, das ist hier die Frage ;)
      Warm Bodies hab ich noch nicht gesehen. Wollte ich evt. weil - ja - ich mag Zombie Filme auch nicht wirklich. Was Resident Evil angeht, teile ich deine Meinung voll und ganz. Ist wie Fast & Furious - man macht den gleichen Film immer und immer wieder. *gähn*

      (Shaun of the Dead war allerdings extremst geil *g*).

      Team Predator heißt das dann. Und die anderen sind Team Aliens. ;)

      (Den Artikel tu ich mir noch an, aber ist klar, dass er im Brustton der Überzeugung schreibt, wenn er von seinen eigenen Ansichten überzeugt ist. ;))


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      Ein guter Schurke muss zwei Punkte vereinen:
      • Er muss Charakter haben
      • Der Leser muss für ihn Sympathie empfinden
      Ein guter Schurke ist also vor allem eines: eine interessante Person.
      Das gilt umgekehrt zwar auch für Helden, aber da diese als Identifikationsfigur für den Leser gedacht sind, sind sie eher stereotyp ausgelegt. Das erlaubt die Kompatibilität zu so vielen Lesern wie möglich. Interessante Personen sind beim Schreiben aber meist noch schwieriger als interessante Plots.

      Eine Schurke ist die Manifestation einer Bedrohung. Und da liegt es in der menschlichen Natur, dass diese so groß wie möglich und so mitreißend wie möglich sein muss.
      • Ein Maulwurf zertrampelt Gänseblümchen, weil ihm danach ist? Teuflisch. Aber nicht packend.
      • Ein ehemaliger Feuerwehrmann legt Brände, weil bei einem seine Tochter ums Leben kam, und er zündelt sich mit dem Wahn "Wenn ich keine mehr habe, sollt ihr alle keine mehr haben!" durch die Stadt? Das ist heftig. Und verstörend. Und bedrohlich.
      Im Grunde unsere Herzens müssen wir einen Schurken verstehen können. Wir tolerieren nur nicht, was er tut. Und wenn doch, befriedigen wir damit den kleinen Schurken in uns selbst. ;)
      Ich hab diesen... Artikel möcht ich es fast nicht nennen - eher eine Ansammlung von vielen kurz angedachten und angerissenen Ideen - gelesen und befinde ihn für die praktische Diskussion bzgl. 'gute Schurken' komplett unbrauchbar.

      (Mal davon abgesehen, dass er bei gut der Hälfte des Textes noch ein Victimblaming mit einfließen lässt - kurz nach der Erwähnung von KZs - ist mehr als ungeschickt und unschön.)

      Er wirft meiner Meinung nach die Begriffe Antagonist, Schurke und Anti-Held wild durcheinander und schmeißt sie alle auf einen Haufen. Dann beklagt er im Anfang des Textes - so hört es sich an - den Niedergang der großen Literatur und vermischt im Nachhinein wieder alles von Mephisto bis Harry Potter.

      Ich glaube er wollte etwas Bestimmtes sagen und in seinem Kopf machte das alles auch Sinn - er hat nur leider vergessen, dass wir, die wir außerhalb seines Gehirns sind, nicht wissen, was er sich noch dabei gedacht hat. Vermutlich war der Text noch zu kurz um alles aufzuführen, das ihn da beschäftigt hat.

      Aber das ist auch ziemlich egal, denn wie gesagt, für die praktische Diskussion ist der Artikel nicht zuträglich.


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      Ich finde es gibt verschiedene Gattungen von 'Bösen' (ich sag jetzt mal Bösen in Anführungszeichen, um alles mit einzuschließen.)

      Wir haben Antagonisten, an denen unser Protag wächst.
      Das kann ein Schurke sein, das kann aber auch die Naturkatastrophe sein, die eigenen Probleme oder - wie bei Magnolien aus Stahl - die eigenen Mutter, die nicht will, dass man sein Leben wegwirft.

      Bösewichte, im Sinne von 'mörderisches Monster', unterscheiden sich wieder in verschiedenen Gattungen.
      Da gibt es die Versatzstücke, die eindimensionalen, flachen Typen, die man mal kurz braucht um einen Mord zu begehen, oder etwas in die Luft zu jagen - weil man die Katastrophe braucht. Die spielen dann aber selbst keine allzu große Rolle.

      In den meisten normalen Krimiserien ist der Mörder sowas. Für die Story braucht man den Mord, das Rätsel. Den Mörder selbst, den muss man nicht verstehen oder in seiner Tiefe erkennen.

      Dann gibt es die 'He who must not be named' Typen an denen sich die ganze Gut gegen Böse Geschichte aufhängt. Die so episch böse sind wie Voldemort, Sauron oder der Imperator. Auch die sind oft nicht ausgearbeitet. Deren Aufgabe ist es einfach nur richtig super-böse zu sein. Damit die Guten was zum Bekämpfen haben.

      Ich bin auch nicht unbedingt der Meinung, dass einem der Bösewicht sympathisch sein muss, um zu funktionieren. Manchmal darf es einfach nur das gruselige Ding im Dunkeln sein, das einen frisst, wenn es einen erwischt. Aber wenn man sich auf den Pfad des ausgearbeiteten Charakters begibt, dann darf dieser Bösewicht eines nicht sein: Eindimensional. Sein Motiv muss nachvollziehbar sein.

      Er darf nicht böse sein, weil er böse ist. So 'Muhahahaha, ich baue in meinen geheimen Labor eine Weltvernichtungsmaschine! Muhaha' - 'Warum?' - 'Ähhhh... darum!' ;)


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      Sabine Osman schrieb:

      Eindimensional. Sein Motiv muss nachvollziehbar sein.


      Grundsätzlich gebe ich Dir recht - aber manchmal gibt es auch Schurken / Bösewichte, die einfach nur eindimensional sein können (bzw. müssen). Gerade wenn es um Psychothriller geht, finde ich tumbe Böswilligkeit sehr reizvoll. Oder eben in Horrorgeschichten. Auch Eindimensionalität kann ein sehr überzeugendes "Motiv" sein und entspricht (leider) oft auch der Realität... Aber das ist natürlich Geschmacksache :thumbup:

      Ich finde es umgekehrt sogar eher unpassend, wenn man im Nachhinein mit z.B. den "Beginnings" herumwurschtelt. Ein Beispiel dafür ist für mich der gute Dr. Lecter. In "Schweigen der Lämmer" hatte ich in die Figur wenig bis nichts hineininterpretiert (ist halt ein böser Kannibale, Ende der Durchsage). "Neulich" hat man dann diese abstruse Idee mit seiner Kindheit und seiner Schwester auf den Schirm gebracht - unglaubwürdig!
      Ja, deswegen sag ich ja: Verschiedene Arten. ;)
      Man braucht auch die Thugs, die Gangster, die Schlägertruppen - wenn man bei jedem von denen gleich eine tiefenanalytische Origin dazumacht, dann wird man ja nie fertig. ;)


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